Neu im Kino: Welcome to Norway

Genre: Tragikomödie
Länge: 1 Stunde 35 Minuten
FSK: ab 6
Bundesstart: 13.10.2016

 

Primus, ein abgebrannter, gescheiterter Hotelier, eröffnet eine Flüchtlingsunterkunft im Norden Norwegens. Seine einzige Motivation: Geld verdienen. Ausländer, oder sagen wir besser Fremde, mag er nicht. Aber er besitzt noch sein altes, abgeranztes Hotel im Nirgendwo und er hat gehört, dass man mit Flüchtlingen gutes Geld verdienen kann. So hofft er auf das Geschäft seines Lebens mit der zu Beginn von den Behörden nur halbwegs akzeptierten Unterbringung von 50 Asylbewerbern in seiner Bauruine. Primus rechnet mit 100.000 Kronen pro untergebrachtem Asylbewerber, die ihm das UDI (Norwegische Einwanderungsbehörde) jährlich zahlen würde. Es geht – zumindest am Anfang des Films – genau darum: Möglichst viel Geld zu machen und dafür so wenig wie möglich zu tun. Wäre neben den rebellierenden Flüchtlingen und dem (zum Glück) dauerhaft die Zustände bemängelndem UDI nicht auch seine Tochter, Oda, die Primus immer wieder beharrlich darauf hinweist, dass man die Flüchtlinge wie Menschen behandeln muss, wäre das Verhalten des Protagonisten nur schwer zu ertragen.

 

Natürlich ist der Film aber auch eine Komödie und auch ein bisschen was für’s Herz. Es gibt zahlreiche nette Szenen mit Multikulti-Missverständnissen und die Flüchtlinge lassen sich die schlechte Behandlung – zum Frühstück gibt es beispielsweise gefrorenes Graubrot und uralten selbstgefangenen Fisch – nicht gefallen. Letzten Endes entstehen natürlich auch Freundschaften. Besonders gut versteht sich Primus mit dem Flüchtling Abedi. Vorrangig, weil dieser vermeintlich als Einziger seine Sprache spricht und ihm daher als Dolmetscher nicht mehr von der Seite weichen darf. Dieser macht Primus im Verlauf des Films klar, welche Folgen sich aus seinem selbstsüchtigen Handeln ergeben. Die Wandlung des Protagonisten wird am Ende durch mehrere Gesten der Freundschaft zwischen Primus an Abedi bewiesen.

 

Mein Fazit: Ich habe den Film am 12. Oktober in der Sneak Preview in Koblenz gesehen. Ich mag den Film, auch wenn die von den Machern offenbar gewollte Gesellschaftskritik insgesamt etwas zu knapp ausfällt. Auch die klassische charakterliche Wandlung des erst empathielosen und xenophoben Raffzahns zum einfühlsamen Freund und Familienvater verläuft etwas zu stereotyp. Besonders hervorzuheben ist die Leistung der Hauptdarsteller. Vor allem Anders Baasmo Christiansen (Primus), Olivier Mukuta (Abedi) und Slimane Dazi (Zoran) stechen heraus. Grundsätzlich ist der Film eher Zuschauern zu empfehlen, die gerne europäische Filme gucken. Wer einen Hollywood-Blockbuster sehen möchte, ist mit Welcome to Norway schlecht beraten.

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