Thriller: Wer war Alice von T.R. Richmond

Die 25-jährige Alice Salmon ertrinkt nach einer Partynacht in einem Fluss ihrer Studienstadt. Professor J.F.H. Cooke, ein Anthropologe an Alice Alma Mater, hat es sich zur Aufgabe gemacht, eine Art Sammlung aller Schriftstücke zu veröffentlichen, die zeigen, wer Alice war. Dabei vereint er tiefe Einblicke in Alice Seelenleben mit liebevoll bis boshaften Beschreibungen der Journalistin und erschütternden Erinnerungen. Nebenbei enthalten die Dokumente wichtige Hinweise auf die bisher ungeklärten Umstände zu Alice Todesnacht.

„Wer war Alice“ ist kein gewöhnlicher Roman. Es gibt nicht den einen Erzähler. Eigentlich gibt es gar keinen richtigen Erzähler. Die Geschichte ist das fiktive Buch von Professor Cooke. Ohne Rahmenerzählung oder Kontext folgt auf ein Dokument das nächste. In der Sammlung befinden sich unter anderem Tagebucheinträge, SMS-Verläufe, polizeiliche Aufzeichnungen, Tweets, Emails, Blogeinträge und Briefe. Verfasser ist fast jeder, der in Alice Leben eine Rolle gespielt hat: ihre Mutter, ihre beste Freundin, ein Stalker, ihr (Ex-)Freund, Zeugen, Professor Cooke, Alice selbst und viele andere.

Die Storyline hat mich nicht gefesselt, aber die Dokumentensammlung, in der viele Dinge aus unterschiedlichen Blickwinkeln erzählt werden und durch die sich Alice Leben und Sterben wie ein Mosaik zusammensetzt, erzeugt eine Spannung. Allerdings wird die Geschichte dadurch stellenweise auch etwas kompliziert und man muss sich viele Details merken, die zum Teil nur wie Randnotizen in den Dokumenten wirken. Daher der Tipp: Am besten schnell zu Ende lesen, damit zwischendurch kein Detail verloren geht.

 

Lieblingszitat:

Wie kann es sein, dass ich mich so einsam fühle, wo doch sieben Millionen Menschen in London leben? Ich beobachte sie in der U-Bahn – in Röhrenjeans und mit großen Brillen, sie lesen die kostenlose Metro, simsen, aus ihren Kopfhörern dringen blecherne Fetzen von Dizzee Rascal oder den Kaiser Chiefs – und ich stelle mir all die Leben vor, die sich um mich herum entfalten. Ich lausche den Gesprächen und versuche, aus aufgeschnappten Fetzen ganze Existenzen zusammenzusetzen.“

(Seite 156)

 

Länge: 445 Seiten
Verlag: Goldmann Verlag
Erscheinungsjahr: 2016′
Originaltitel: What She Left
Preis: 14,99 €
ISBN: 978-344220508001

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