Dating mit Ovid – Teil 1

„Jeder, der mit meinem Schwert eine Amazone besiegt hat, schreibe auf die Beute, die er weiht: ‚Naso war mein Lehrer.'“ (1)

Publius Ovidius Naso, wie der römische Dichter Ovid mit vollem Namen hieß, fühlte sich schon als junger Mann zum Literaten berufen. Nach einer recht erfolgreichen Ausbildung der Rechtswissenschaften verzichtete er auf eine Laufbahn als Senator. Bereits als Teenager hielt er Lesungen, rasch wurde er zu einem der beliebtesten römischen Dichter – und das bereits zu Lebzeiten. Eines seiner bekanntesten Werke, die Ars Amatoria oder auch Ars armandi (Die Kunst zu lieben), erschien in der endgültigen Fassung etwa um die Geburt Christi herum, und war so etwas wie das 50 Shades of Grey der Antike. Die Menschen liebten das Buch, dem etwas Anrüchiges anhaftete – nicht zuletzt weil Ovid selbst damit warb, „sein Buch sei nichts für anständige Hausfrauen.“ „Dating mit Ovid – Teil 1“ weiterlesen

Kafka und das jiddische Theater (Teil 3)

Am 23 Oktober 1911 notierte Kafka: „Goldfaden, verheiratet, Verschwender auch in großer Not. An hundert Stücke. Gestohlene lithurgische Melodien volkstümlich gemacht. Das ganze Volk singt sie. Der Schneider bei seiner Arbeit (wird nachgemacht), das Dienstmädchen, usw.“ (1)

Am 25. und 26. Oktober lernte Kafka dann verschiedene Werke Gordins kennen. „Gott, Mensch, Teufel“ hörte er am ersten der beiden Tage in einem Vortrag Löwys, am 26. besuchte er die Aufführung von „Der wilde Mensch“. Die Arbeitsweise des Künstlers gefiel ihm besser als die anderer, „weil er mehr Details, mehr Ordnung und mehr Folgerichtigkeit in dieser Ordnung hat.„Kafka und das jiddische Theater (Teil 3)“ weiterlesen

Kafka und das jiddische Theater (Teil 2)

In einer Tagebuchaufzeichnung von Oktober 1911 sprach Franz Kafka den Wunsch aus, „ein großes jiddisches Theater […] und jiddische Literatur“ (1) zu kennen. Dies konnte er halbwegs durch seine Bekanntschaft mit Löwy und dessen Kollegen verwirklichen. Kafkas Aufzeichnungen bezeugen, dass er ein relativ breites Spektrum an jiddischer Literatur kennenlernte: Er las Dramen von Abraham Goldfaden, Am. Scharkansky, Jakob Gordin, Joseph Lateiner und Moses Richter. Durch Löwy wurde er auf die Gedichte David Edelstatts und Morris Rosenfelds aufmerksam. Er fand Gefallen an Humoresken von Scholem Alejchem, Geschichten von Jizchak Leib Perez und las Mendele Moicher Sforims Roman „Fiscke der Krumer“. Er kannte also alle großen jüdischen Autoren des späten 19. Jahrhunderts und des frühen 20. Jahrhunderts. „Kafka und das jiddische Theater (Teil 2)“ weiterlesen

Kafka und das jiddische Theater

Um die Firma seines Vaters zu retten, musste Franz Kafka am 15. Oktober 1911 nach Radotin reisen. Dazu notierte er am selben Tag in sein Tagebuch: „Komme dadurch um das Zusammensein mit Löwy, an den ich fortwährend denke.“(1) Kafkas Faszination für die Schauspieltruppe um Jizchak Löwy war einer der maßgebenden Punkte für sein aufflammendes Interesse an jiddischer Literatur. Er nutzte jede Gelegenheit, die sich ihm bot, um Zeit mit diesen für ihn so fremden osteuropäischen Juden zu verbringen und mehr über ihr Leben, ihre Ansichten und nicht zuletzt ihre religiöse Ausrichtung zu erfahren. Vor allem für Löwy verspürte Kafka ein tiefes Gefühl der Freundschaft. „Kafka und das jiddische Theater“ weiterlesen